22:31 - Schalkes Handballer werfen den Aufstieg weg

Kein Durchkommen: In dieser Szene bleibt Schalkes Max Gill (blaues Trikot) in der Abwehr von Möllbergen hängen. Foto: HMT Kein Durchkommen: In dieser Szene bleibt Schalkes Max Gill (blaues Trikot) in der Abwehr von Möllbergen hängen. Foto: HMT

WAZ

Porta Westfalica. Die Schalker Handballer haben den Oberliga-Aufstieg verspielt. Nach der 22:31-Niederlage in Möllbergen bleiben sie in der Verbandsliga.

Es herrschte großes Rätselraten. Warum hatten die Handballer des FC Schalke 04 ausgerechnet in einer so entscheidenden Partie nur so wenige Prozente ihres Potenzials auf die Platte gebracht und nie den Endspiel-Modus erreicht? Für Trainer Sebastian Hosenfelder waren die 60 Minuten beim TuS 09 Möllbergen ein Leidensweg. Am Ende dieses Weges standen eine 22:31 (12:15)-Pleite und ein weiteres Jahr Verbandsliga.

 

Der Schalker Coach vertraute derselben Startformation wie beim 26:25-Hinspielsieg. Das ging überhaupt nicht auf. Vor allem die beiden Jüngsten, der 20-jährige Max Gill im zentralen und der 19-jährige Philipp Gemsa im rechten Rückraum, waren überfordert. Deshalb nahm Sebastian Hosenfelder dieses Duo auch nach 16 beziehungsweise 18 Minuten raus. Was aber keine positive Wirkung hatte, weil auch die Routiniers – ob Rosen Kolev, der 31-Jährige, oder Timo Marcinowski, der 36-Jährige – technische Patzer und Fehlwürfe in Serie produzierten. Die Suche nach einer ordnenden Hand auf der Rückraum-Mitte-Position hatte da längst schon begonnen. Als die Partie vorbei war, hatte der Schalker Trainer erfolglos vier Kandidaten ausprobiert: zunächst Max Gill und Christopher Heming (23), dann Timo Marcinowski und zuletzt Philipp Krabusch (27). „Vorne“, sagte Sebastian Hosenfelder, „hat nicht ein Spieler funktioniert. Das war leider so.“

 

Zwar stellte der Trainer seine Abwehr viel früher als im Hinspiel von 6:0 auf 5:1 um, aber die Probleme lagen ausschließlich im Angriff. Weil die Schalker nur ganz selten in das von ihrem Coach geforderte Tempospiel kamen, mussten sie ständig in den aufgebauten Angriff und bissen sich an der starken 6:0-Hintermannschaft des TuS 09 die Zähne aus. Obwohl: Sie bissen überhaupt nicht, sondern latschten meistens nur mit Sicherheitsabstand vor der Deckung herum. Tempo machten die Möllberger, deren unbedingter Oberliga-Aufstiegswille förmlich zu spüren war.

 

Das brutale Ergebnis nach knapp 20 Minuten: nur drei mickrige Tore geworfen, aber schon neun kassiert – minus sechs. Dieses Minus reduzierte sich bis zur Pause auf drei (12:15). Dabei hatten die Schalker noch zwei Siebenmeter-Chancen ausgelassen, weil Möllbergens Klasse-Keeper Jannis Finke, der häufig sehr leichtes Spiel hatte, die Duelle gegen Felix Busjan und Rosen Kolev für sich entschieden hatte. „Obwohl wir so grottenschlecht gespielt hatten, waren es nur drei Tore. Gefühlt war der Rückstand viel größer“, sagte Sebastian Hosenfelder.

 

Es bestand also noch Hoffnung. Und es gab einen weiteren Impuls, einen allerdings überraschenden: Sven Erzfeld musste seinen Platz zwischen den Pfosten räumen, und es kam Fabian Sinkovec. Das Resultat nach 47 Minuten – ein Zwei-Tore-Rückstand (18:20) – sprach sogar für den Wechsel, den Torwart-Trainer Lutz Drochtert angeordnet und den Sebastian Hosenfelder abgesegnet hatte. Die meisten Experten hatten jedoch nur gestaunt und nach dem Warum gefragt. Und? „Ich weiß es auch nicht“, sagte Sven Erzfeld.

Patrick Richter trifft zehnmal

Nachdem Möllbergens zehnmaliger Torschütze Patrick Richter dann mit einem Hattrick für das 23:18 und die Vorentscheidung gesorgt hatte, durfte der 30-jährige Schalker Keeper in den Kasten zurückkehren und sah den königsblauen Handball-Kahn untergehen. Sang- und klanglos. „Wir haben uns am Ende abschlachten lassen, aber verloren haben wir das Spiel nicht in der Abwehr“, sagte Sven Erzfeld. Er schaute zur Anzeigetafel und schüttelte ob der zehn erzielten Tore in der zweiten Halbzeit den Kopf.

FC Schalke 04: Erzfeld, Sinkovec, Gemsa (4), Beyer (2), Gill (1), Heming (3), Busjan (5), Hentschel (1), Bober (1), Kolev (1), Marcinowski (2), Krabusch (1), Barth (1).

Andree Hagel, 28.05.2017