90 Jahre Handball beim FC Schalke 04

90 Jahre Handball auf Schalke - Schalker Kreisel vom 27.11.2016

Erfolgsgeschichte eines Ausgleichssports

Dass die königsblauen Handballer einmal ihr 90-jähriges Bestehen feiern könnten, damit hätten die Gründer der Abteilung wohl nicht gerechnet. Anno 1926 gilt Feldhandball als neue Mode.  Etwas, das man mal ausprobiert, von dem aber nicht sicher ist, ob es überhaupt eine Chance hat, sich gegen Fußball oder die zahlreichen Turnvereine durchzusetzen. Anno 2016 ist die Handballabteilung fester Bestandteil des S04.

Das Wissen über die frühen Jahre der Schalker Handballer ist begrenzt. Alle heutigen Erkenntnisse zu den Anfängen stammen aus nur wenigen Quellen, weil die meisten Zeitzeugnisse bei einem Bombenangriff der Alliierten am 6. November 1944 auf Gelsenkirchen für immer zerstört worden sind. Sicher ist: Anwurf ist fast auf den Tag genau 18 Jahre zuvor, am 7. November 1926.

Die königsblauen Leichtathleten geben dem neuen Spiel mit dem Ball zuerst eine Chance. Besonders Abteilungsleiter Fuhse zeigt sich interessiert, ist er doch ohnehin auf der Suche nach einem Ausgleich fernab von Laufen, Springen und Weitwurf, der die Athleten mental entspannen soll. Auch in anderen Gelsenkirchener Stadtteilen wachsen Neugier und Spaß am Handball schnell. Zahlreiche Mannschaften suchen den Wettkampf. Den Schalkern fällt es zu Beginn nicht leicht, ein Team zu bilden. Also halten sie Ausschau im Freundeskreis und finden einige Schwimmer, die ebenfalls nach einem Ausgleichssport suchen und sich der Abteilung unter der Leitung von Fuhse anschließen.

Beim ersten Spiel am 7. November 1926, das damals noch unter freiem Himmel stattfindet, gastieren die Nachbarn von SuS Schalke 96 an der Grenzstraße. Die königsblaue Gründermannschaft spielt in folgender Besetzung: Esser, Neumann, Kostowski, Langenscheid, Beckmann, Corts, Slowinski I, Slowinski II, Gützlaff, Schrader, Jorga (Ersatz: Pieper, Fuhse, Tischka). Vornamen sind nicht bekannt, dafür aber das Endergebnis: 2:2. Viele Tore fallen in den Duellen der frühen Jahre nie. Hauptsächlich, weil Handball damals noch auf Plätzen gespielt wird, die der Größe eines Fußballfelds entsprechen.

Die Abteilung wächst schnell. Kurz nach Aufnahme des Spielbetriebs sind genug Akteure für eine eigene Jugendmannschaft gefunden. Am 30. April 1927 kommt ein Damenteam hinzu, das 13 Jahre Bestand hat. 1928 existieren zwei Männer- und zwei Jungenmannschaften. Der erste Erfolg lässt nicht lange auf sich warten. Bereits 1929 feiern die Männer die Gaumeisterschaft.

Heute ist kaum vorstellbar, welche Strapazen die Sportler in den 1930er-Jahren auf sich nehmen, um zu den Auswärtsspielen zu gelangen. Meist steht ein Lkw bereit, der unter der Woche Knochen zu Mühlen liefert und extra für die Handballer am Wochenende umgebaut wird. Auf dem offenen Wagen installieren Helfer ein Holzgehäuse, das die Akteure vor Wind und Wetter schützen soll. Das Problem: Es existieren lediglich vier kleine Fenster, die nicht geöffnet werden können. So drängen alle Spieler stets nach hinten, um dort wenigstens ein bisschen frische Luft zu atmen.

Die Anstrengungen lassen sich die Akteure auf dem Feld nicht anmerken. 1932/1933 steigen sie in die höchste Spielklasse auf, die Gauliga Westfalen. Die Vereinschronik zum 50. Geburtstag von Königsblau, eine der wenigen Quellen über die frühen Jahre, weiß: „Schalke 04 war ohne Überhebung die beste Mannschaft Westfalens und wurde trotzdem nicht Westfalenmeister.“ Der Grund: dubiose Schiedsrichterentscheidungen bei den Partien gegen die Mannschaften aus der Handballhochburg Hagen.

Das erste Match gegen den späteren Meister DSC Hagen findet zum Beispiel trotz Schalker Proteste und eines Spielplans, der Gelsenkirchen als Austragungsort festsetzt, auswärts statt. Der S04 verliert 5:6. Gegen den VfL Hagen muss er eine rechtskräftige 7:8-Pleite hinnehmen, obwohl die Hagener mit einem nicht spielberechtigten Linksaußen antreten. Auch die dritte Partie gegen Ha gen-Eilpe geht verloren, es sind die einzigen Niederlagen in dieser Saison. Auch die Zweite Mannschaft feiert Erfolge, erringt von 1930 bis 1936 sechs Kreismeisterschaften.

Bis Kriegsbeginn spielt Königsblau in der höchsten Klasse, bis Einberufungen die Abteilung zur Einstellung des Betriebs zwingen. Vom ehemaligen Stamm sind 1946 nur Kurth, Edy Leukel und Paul Schnitzspan übrig. Sie starten bei Null: Bereits nach einem Jahr gelingt der Aufstieg in die Bezirksklasse, 1951 darf sich Schalke Landesligist nennen. In der Zeit gewinnt der Handball viele neue Fans, denn die Abteilung darf ihre Meisterschaftsspiele vor den Partien der Fußballer in der Glückauf-Kampfbahn austragen. Auch Ernst Kuzorra mischt zu dieser Zeit spaßeshalber hin und wieder bei den Handballern mit. 1958, als die Fußballer Meister werden, feiern die Handballer den Oberliga-Aufstieg. In der höchsten Spielklasse halten sie sich bis zum Untergang der Großfeldzeit Ende der 1960er-Jahre.

Die Einführung des Hallenhandballs bedeutet eine weitere Zäsur. Das Spiel ist nun schneller und torreicher. Nicht jeder kommt mit der Umstellung klar. Mit Hilfe des Schalker Gymnasiums baut die Abteilung in den 1970er-Jahren neue Jugendmannschaften auf. Schnell schaffen einige davon den Aufstieg in die Bezirksklasse, dem Ersten Team gelingt der Sprung in die Landesliga, und es stürmt über die Verbandsklasse 1987 in die Oberliga. Was die Abteilung besonders mit Stolz erfüllt: Diese Erfolge gelingen mit Eigengewächsen. Doch die Unerfahrenheit hat den sofortigen Abstieg zur Folge. Und es kommt noch schlimmer.

Ein Jugendtrainer meint es Anfang der 1990er-Jahre nicht ehrlich mit Schalke, lotst zahlreiche Spieler zur Teutonia aus Bochum-Riemke. Für einen Neuanfang fehlt zunächst das Personal. Auch die Erste Mannschaft durchlebt schlechte Zeiten. Bis 1995 hält sie sich in der Verbandsliga, dann steigt sie in die Landesliga ab.

Im Frühjahr 1996 wird Hans-Christian Wichlacz Abteilungsleiter. Seine Mission: der Aufbau der Jugend. Er sucht das Gespräch mit anderen Gelsenkirchener Vereinen, plant Kooperationen, doch das Interesse ist gering. Aufgrund des fehlenden Nachwuchses muss die Erste Mannschaft Spieler aus den benachbarten Vereinen verpflichten. Erstmals in der königsblauen Handballgeschichte werden Aufwandsentschädigungen notwendig. Die Investition lohnt sich: 1998 gelingt der Aufstieg in die Verbandsliga, wo sich der S04 bis zum erneuten Abstieg 2007 behauptet.

Die Jugendspielgemeinschaft mit SuS Schalke 96 bringt den erhofften Schub. Ab 2010 treten die Clubs gemeinsam unter dem Namen HSG Schalke 04/96 an. Das Ergebnis: breite Kader und qualitativ gut ausgebildete Jugendliche. Nach nur fünf Jahren löst sich die Gemeinschaft auf, weil Kooperationspartner SuS den Handballbetrieb ganz einstellt. Seitdem spielen alle Teams für den S04, und zwar sehr erfolgreich. Die Erste und die Zweite Mannschaft steigen im April 2016 am letzten Spieltag in Landes- und Bezirksliga auf und sollen sich auf lange Sicht in höheren Spielklassen etablieren. Die weiteren Teams werden weiterhin breitensportorientiert arbeiten.

Interview im Schalker Kreisel am 27.11.2016

Hans-Christian Wichlacz und Sebastian Hosenfelder

„UNSERE GRÖSSTE KONKURRENZ IST DIE PLAYSTATION“

In einer Fußballstadt wie Gelsenkirchen ist es nicht einfach, sich mit einer anderen Sportart zu behaupten, davon können die Handballer ein Lied singen. Neun Dekaden bekommen sie das nun schon erfolgreich hin. Die große Jubiläumsfeier war einen Tag nach Drucklegung des Schalker Kreisels geplant. Mitten im Vorbereitungsstress nahmen sich Abteilungsleiter Hans-Christian Wichlacz und Koordinator Sebastian Hosenfelder dennoch Zeit für ein Gespräch.

90 Jahre königsblauer Handball, wie zufrieden sind Sie mit den sportlichen Erfolgen des Jubiläumsjahrs?

Hans-Christian Wichlacz: Sehr zufrieden. Die vergangene Saison war hervorragend: Unsere ersten beiden Mannschaften sind aufgestiegen, und wir haben ein weiteres Damenteam von der DJK SW Gelsenkirchen-Süd dazubekommen. Zudem sind wir mit der Ersten Mannschaft Kreispokalsieger geworden und standen im Westfalenpokal gegen einen Oberligisten im Finale, wo wir nur knapp gescheitert sind. Im Moment liegen wir ebenfalls mit allen Teams im Soll, mit der Ersten sogar darüber. Nur die Jugend bereitet uns derzeit Sorgen.

Inwiefern?

Wichlacz: Manche Jugendliche aus den älteren Jahrgängen erscheinen nicht zum Training oder sagen, dass wir zu wenige Einheiten anbieten. Das ist ganz seltsam. Deshalb haben wir mit Sebastian Hosenfelder nun einen hauptamtlichen Koordinator angestellt. Er soll alles wieder in die richtigen Bahnen lenken. Erste Erfolge sehen wir bereits bei den Minis, der F- und E-Jugend, wo wir einen großen Zulauf verzeichnen.

Sebastian Hosenfelder: Der vor allem aus der direkten Umgebung kommt. Wir gewinnen viele neue Mitglieder im Stadtteil Schalke.

Ein Ergebnis der Aufstiegseuphorie?

Wichlacz: Wahrscheinlich. Beim ersten Spiel nach dem Aufstieg in die Verbandsliga waren sehr viel mehr Zuschauer da. Mittlerweile begrüßen wir bei den Heimspielen 100 bis 150 Fans in der Halle. Früher waren es vielleicht 50. Das macht Hoffnung.

Hosenfelder: Wir haben nun sogar das erste Fantrikot aufgelegt. Vor allem in der jüngeren Jugend tut sich was. Wir versuchen, einen Mädchenbereich aufzubauen. Erfolgreich sind wir mit unseren Schulprojekten.

Können Sie uns mehr über die Projekte erzählen?

Hosenfelder: Es handelt sich um Handball AGs für Dritt- und Viertklässler. Wir arbeiten mit vier Grundschulen zusammen. Halbjährlich soll es ein Fest geben, bei dem die Schüler gegeneinander antreten. Es geht nicht ums Gewinnen, sondern darum, dass die Kinder auch mal die große Halle erleben.

Wichlacz: Das Problem ist aber, qualifizierte Trainer für diese Projekte und auch die Jugendmannschaften zu finden. Wir können nicht einfach Elternteile an der Seitenlinie installieren. Es muss jemand sein, der ein bisschen Ahnung vom Metier hat, der pädagogisches Wissen besitzt und auch mit Eltern umgehen kann, die nicht immer einfach und teilweise sehr fanatisch sein können. Wir verfolgen den Ansatz, dass die Unternehmen Vivawest und Gelsenwasser ihre Auszubildenden und Praktikanten teilweise vom Dienst freistellen. In der freien Zeit sollen sie geschult werden, um Trainingseinheiten zu betreuen. Wir müssen allerdings noch einige Gespräche mit dem Landessportbund und weiteren Partnern führen, um dieses Vorhaben umzusetzen.

Ist der Ansatz in der Grundschule schon fast zu spät?

Wichlacz: Gute Sportler sind im Alter von acht oder neun Jahren bereits im Fußballverein. Wir hoffen, dass wir das Schmuddelwetter nutzen können, um sie in die Halle zu lotsen (lacht). Ernsthaft: Es gibt Kindergärten, die gerne mit uns arbeiten möchten. Aber ohne qualifizierte Trainer können wir diese Projekte nicht umsetzen.

Hosenfelder: Wobei wir für die ganz jungen Handballer ja die Minis anbieten. Und das läuft. Es erscheinen regelmäßig neun Kinder zum Training. Mittlerweile haben wir eine Erzieherin, die sie betreut. Das Angenehme ist, dass sie parallel mit der F-Jugend trainieren, in der oft Geschwisterkinder spielen. Das wird von den Eltern gerne genutzt. Deutschland ist Europameister 2016.

Läuft es mit den Anmeldungen dann nicht von selbst?

Wichlacz: Die Handballprofis waren präsenter in den Medien, aber wir erlebten nicht mehr Interesse deswegen. Wichtiger sind die Erfolge des eigenen Vereins, um die Kinder in Gelsenkirchen zu begeistern.

Hosenfelder: Deshalb sind Idole auch so wichtig. Die Fußballer sind überall präsent. Gerade auf Schalke, was kein Hindernis ist. Es ist oft auch förderlich, dass wir der S04 sind. Der Name zieht Kinder und spricht für Qualität, die wir auch bieten wollen.

Wie lief das Jahr fernab des Sports?

Wichlacz: Es war sehr anstrengend. Die Arbeiten sind auf wenige Schultern verteilt. Es ist schwer, Helfer zu finden. Wir haben schon so viel versucht, wollten einen Förderverein gründen, aber es verlief alles im Sande, weil die Leute nicht dabeibleiben. Derzeit sind immer wieder die gleichen Helfer am Start, aber die werden auch älter. Ich habe das Glück, dass ich im Vorruhestand bin und deshalb Zeit habe. 100 Stunden investiere ich monatlich bestimmt für den Verein, es wären mehr, wenn ich nicht manchmal auch „Nein“ sagen würde. Mit Sebastian Hosenfelder haben wir nun einen Festangestellten, der 40 Stunden die Woche und mehr arbeitet. Aber es ist dennoch zu wenig. Ich denke, dass der Hauptverein es genauso sieht und auf lange Sicht eine Lösung finden wird.

Mögen Sie eigentlich Fußball?

Hosenfelder: Ja klar. Definitiv. Warum auch nicht? In der Ersten Mannschaft gibt es keinen einzigen Spieler, der Fußball nicht mag.

Wichlacz: Als Sportart ja, als Aktiengesellschaft nicht. Ich bin froh, dass der FC Schalke 04 zum e.V. steht und uns unterstützt.

Ist es in einer Fußballstadt noch schwerer, sich mit Handball zu behaupten?

Wichlacz: Mit jeder anderen Sportart auch. Es ist schwierig, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Derzeit gibt’s in der Umgebung mit dem TB Beckhausen nur noch einen anderen Handballverein mit Jugendteams und drei Clubs, die ausschließlich Seniorenmannschaften haben. Sie werden nur mit Mühe überleben können. Leider war die Entwicklung absehbar. 1996 habe ich mit allen Handballabteilungen in Gelsenkirchen Gespräche geführt, wollte mit ihnen in der Jugend zusammenarbeiten. Ich habe sehr viel Ablehnung erfahren. Vielleicht war da auch Angst vor dem großen S04. Man hätte aus der Quantität Qualität entwickeln können. Nun existieren die meisten Vereine nicht mehr.

Hosenfelder: Hier ist immer die Frage: Wo liegen die Gründe? Liegt es daran, dass die Kinder wirklich alle nur zum Fußball gehen? Das denke ich nämlich nicht. Ich glaube, unsere größte Konkurrenz ist die Playstation. Wir müssen initiativ sein und die Stärken, die Handball gegenüber Fußball bietet, herausarbeiten und den Kindern näherbringen. Das ist eine spannende Aufgabe.

Was sind denn die Stärken?

Hosenfelder: Handball ist attraktiv und bietet wesentlich mehr Szenen, in denen was passiert. Es fallen mehr Tore, die Kinder haben also eine größere Chance auf ein Erfolgserlebnis, von dem sie Oma und Opa erzählen können. Dazu ist eine Hallensportart im Winter von Vorteil. Handball wird mit dem ganzen Körper gespielt, Fußball sicherlich auch, aber da sollte man den Ball nicht in die Hand nehmen, wenn man nicht gerade Torhüter ist (lacht). Insgesamt ist das Spiel körperlich intensiver, taktischer und leidenschaftlich.

Wichlacz: Ich mag die Idee des Mannschaftssports. Den Teamgeist, der bei den Handballern vielleicht noch stärker ist, als beim Fußball, weil man auf engerem Raum zusammenhalten muss. Und der Sport ist schneller, weil man viele Entscheidungen treffen muss.

Herr Wichlacz, Sie sind bereits 45 Jahre Mitglied der Abteilung. Was war Ihr Highlight in dieser langen Zeit?

Wichlacz: Da fällt mir zum Beispiel unser Freundschaftsspiel gegen Kunzewo Moskau ein. Das muss Ende der 1970er- oder Anfang der 80er-Jahre gewesen sein. Es war spannend, sich mit den Jungs aus Russland zu messen. 2010 kam sogar die Nationalmannschaft Südkoreas für einen Test vorbei, den wir 28:41 verloren haben. Und die Aufstiege in Landes- und Verbandsliga bleiben unvergessen.

Und der bitterste Moment?

Wichlacz: Der Zusammenbruch der Jugendabteilung 1991 durch dubiose Umstände.

Welche?

Wichlacz: Wir hatten einen Jugendwart, der damals unseren erkrankten Vorsitzenden vertreten hat und dadurch stark mit anderen Aufgaben beschäftigt war. Einer unserer Trainer arbeitete auch für Teutonia Riemke. Der hat die Spieler alle Stück für Stück nach Riemke gelockt. Wir mussten wieder neu anfangen.

Mit Transfers haben Sie sich in der Ersten Mannschaft trotz des Aufstiegs zurückgehalten. Mit Philipp Busjan kam nur ein Neuer. Sie betonen stets, dass Spieler zum Verein passen müssen. Was meinen Sie damit?

Hosenfelder: Ich fand Rudi Assauer immer ganz gut, der meinte, dass die Spieler, die kommen, vom Charakter mit dem Club harmonieren müssen. Diese Philosophie verfolgen wir ebenfalls. Wir möchten Akteure, die sich mit Schalke 04 identifizieren. Sie sollen mit dem Herzen dabei sein. Und nur durch die Identifikation bekomme ich Zuschauer in die Halle.

Wichlacz: Wir haben keine Scouts. Bei uns läuft viel über Kontakte. Das Trainerteam und viele Spieler sind in der Branche vernetzt. Da weiß man schnell, wer passen könnte.

Wo steht der königsblaue Handball im Jahr 2026?

Wichlacz: Die Erste Mannschaft spielt dann in der Dritten Liga, sofern die Entwicklung so weitergeht. Für die Jugendteams wollen wir Trainer beschäftigen, die auch beim Verband oder im Kreis Talente sichten. Dazu hätten wir gerne einen Leistungsstützpunkt.

Hosenfelder: Da haben wir mit der Knappenschmiede das perfekte Beispiel im eigenen Verein. Natürlich können wir uns nicht alles abschauen, aber vom Grundkonzept dienen die Strukturen als Vorbild für unsere Zukunft.

 

Hans-Christian Wichlacz (60) meldete sich im Alter von 14 bei den königsblauen Handballern an. Seit 20 Jahren leitet er mit viel Herzblut die Geschicke der Abteilung. Unterstützung erhält er vor allem von seiner Stellvertreterin Sabine Meya, die sich hauptsächlich um die Jugendmannschaften kümmert. Für die Zukunft wünscht er sich mehr ehrenamtliche Unterstützung.

Sebastian Hosenfelder (35) ist seit 2010 Mitglied im S04, der Abteilung aber schon länger verbunden. Er spielt seit seinem zehnten Lebensjahr Handball. Als Koordinator steht er derzeit vor allem auf dem Feld, coacht drei der Handball-AGs, die F-Jugend und die Erste Mannschaft. Zudem gehört er zum Trainerteam der E-Jugend und kümmert sich um administrative Aufgaben. Zum 90. Geburtstag wünscht er sich mehr Trainer, um sich vermehrt konzeptionellen Tätigkeiten widmen zu können.

Die Handballabteilung 2016 in Zahlen

DIE HANDBALLABTEILUNG IN ZAHLEN

305 Mitglieder (74 Prozent männlich und 26 Prozent weiblich) | Das Durchschnittsalter der Männer liegt bei 24,41 Jahren, das der Frauen bei 19,58. | 14 Mannschaften (6 Seniorenteams, 8 in der Jugend) | Kurt Helmke heißt das älteste Mitglied. Er ist 87 Jahre. | 3 zarte Jahre ist das jüngste Mitglied Ella, die Tochter von Rechtsaußen Marcel Mackowiak. | 1004 Zuschauer verfolgten in der vergangenen Saison die Partie um den Aufstieg – Rekord! | Der S04 machte mit einem 31:22 gegen die PSV Recklinghausen den Sprung in die Verbandsliga klar. | 1184 Facebook-Fans | 38:38 endete die Saisonpremiere der Ersten Mannschaft gegen den RSVE Siegen. An 60 Minuten mit mehr als 76 Toren kann sich Abteilungsleiter Hans-Christian Wichlacz nicht erinnern. | Die mit 86 höchste Rückennummer trägt Frederic Hentschel. | 45 ist das Durchschnittsalter der 4. Herrenmannschaft. | 1-Mal die Woche trifft sich die Gruppe „Fit mit Ball“. Viele Spieler sind älter als 70. | Rund 320 Begegnungen absolvieren alle Teams in einem Jahr. | 10 ehrenamtliche Helfer unterstützen die Mannschaften regelmäßig. In der Fleißtabelle rangieren die Mädchen der B-Jugend nahezu unangefochten an der Spitze. | 6 Sporthallen nutzen die königsblauen Handballer regelmäßig. | 20 Abteilungsleiter prägten die Geschicke der Handballer in 90 Jahren.